ESG
Finanzen 09 März, 2022

Das ABC des ESG-Reportings: Was sind ESG- und Nachhaltigkeitsberichte, warum sind sie wichtig, und was müssen CFOs wissen? 

Erfahren Sie in diesem Blogartikel mehr über das Thema ESG-Reporting

Wenn es um Nachhaltigkeit und ESG-Strategien geht, denken Unternehmen nicht mehr nur an kompostierbare Strohhalme, sondern verankern Nachhaltigkeit in ihrer Geschäftstätigkeiten, Prozessen, Produktentwicklungen, Abläufen und Strategien. 

Viele Unternehmen stellen ihre Geschäftsmodelle um, reorganisieren ihre Unternehmensstrukturen und investieren viel Zeit, Geld und Ressourcen, um den Aspekt der Nachhaltigkeit in ihre Kernstrategien einzubinden. Diese Investitionen haben zur Folge, dass viele Unternehmen das Umwelt-, Sozial- und Governance-Reporting (ESG-Reporting) nicht als Belastung durch neue Regularien betrachten, sondern als Instrument, um Investoren und Finanzmittel für sich zu gewinnen. 

Sicherlich wollen Unternehmen Gutes tun und ethisch und verantwortungsbewusst handeln. Aber sie wollen auch im Licht der Öffentlichkeit glänzen, sich von ihren Mitbewerbern abheben und Investoren und Finanzmittel für sich erschließen. Die Offenlegung ihrer ESG-Performance in ESG-Berichten ist eine Möglichkeit, dies umzusetzen.

Bevor ein Unternehmen damit beginnen kann, seine Prozesse auf die Einhaltung von ESG-Richtlinien einzustellen, müssen wir das Verständnis für ESG, den Unterschied zu Nachhaltigkeits- und CSR-Bemühungen sowie die Bedeutung für Investoren und die CFOs von heute vertiefen.

Was ist ESG-Reporting? 

Unter ESG-Reporting versteht man die Offenlegung von Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance-Informationen. Wie bei allen Offenlegungen besteht der Zweck darin, die ESG-Aktivitäten eines Unternehmens aufzuzeigen, die Transparenz für Investoren zu erhöhen und andere Organisationen zu bewegen, dasselbe zu tun. Zudem ist das Reporting ein effektiver Weg, um zu zeigen, dass Unternehmen ihre Ziele erreichen und dass die ESG-Projekte ernst gemeint sind - und nicht nur Greenwashing, leere Versprechen oder Lippenbekenntnisse. 

Da ESG-Reports den qualitativen und quantitativen Nutzen der ESG-Maßnahmen eines Unternehmens zusammenfassen, können Investoren Investitionen überprüfen, diese an ihren Werten ausrichten und Unternehmen meiden, bei denen die Gefahr von Umweltschäden, sozialen Fehltritten oder Korruption besteht.  

Was ist der Unterschied zwischen ESG und Nachhaltigkeit? 

ESG und Nachhaltigkeit werden manchmal synonym verwendet, aber es gibt einige signifikante Unterschiede.  

- Im Allgemeinen bezieht sich Nachhaltigkeit auf die Beziehung eines Unternehmens zur Umwelt, während ESG diese Beziehung auf soziale Verantwortung und Korruption ausweitet. 

- ESG ist ein externes Investitionsrahmenwerk oder eine Form von Kennzahlen, die den Unternehmen helfen, ihre Initiativen zu kommunizieren und Anleger dabei unterstützen, die Leistung und das Risiko des Unternehmens zu bewerten. Auf der anderen Seite wird Nachhaltigkeit als interner Rahmen betrachtet, der die Kapitalinvestitionen eines Unternehmens leitet. Oder in anderen Worten: Nachhaltigkeit ist die Motivation, ESG ist das berichtete Ergebnis. 

- Da es sich bei ESG um einen Berichtsrahmen handelt, ist er eher für börsennotierte Unternehmen relevant, die Investoren ansprechen und informieren wollen, oder für jedes andere Unternehmen, das eine Finanzierung anstrebt.

Was ist der Unterschied zwischen ESG und CSR? 

Das Ziel von ESG ist, eine Reihe von Offenlegungsstandards zu schaffen, die Unternehmen erfüllen, um Nachhaltigkeitsinitiativen zu kommunizieren. Stakeholder, wie z. B. Investoren, nutzen ESG-Berichte, um ihre Investitionen zu überprüfen. Die soziale Verantwortung der Unternehmen (Corporate Social Responsibility, CSR) stellt ein Modell dar, bei dem die Unternehmensaktivitäten darauf abzielen, die Welt um das Unternehmen herum positiv zu beeinflussen.  Das US-amerikanische Einzelhandelsunternehmen Patagonia zum Beispiel steht für eine sehr ausgeprägte CSR. Alles, was das Unternehmen tut, wird von seiner CSR bestimmt. Es fordert zu einem bewussten Konsum auf, was so weit geht, dass es für seine Werte auch Umsätze opfern würde. Anstatt den Absatz zu forcieren, bietet das Unternehmen Reparaturdienste für seine Produkte an und drängt auf Langlebigkeit statt auf Konsum. Es verkauft seine gebrauchten Produkte weiter. Und es lehnt sich aktiv gegen die Geschäftsmodelle des Fast-Fashion-Einzelhandels auf, indem es sicherstellt, dass die verwendeten Materialien nachhaltig sind und seine Mitarbeiter einen existenzsichernden Lohn erhalten.

 

Was ist der aktuelle Stand des ESG-Reportings?

Am 7. Juni 2021 kündigten die Finanzminister der G7-Staaten an, dass sie im Einklang mit den Empfehlungen der Taskforce on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) Klimaschutzberichte fordern werden. Zwar gibt es noch keinen allgemeingültigen Standard, doch existiert das ESG-Reporting in Form von regionalen Berichtsrahmen, freiwilligen Standards und nationaler Gesetzgebung, die sich erheblich unterscheiden. Häufig nehmen Unternehmen ESG-Berichte in ihre Jahresberichte auf, um zu zeigen, wie nachhaltig ihr Unternehmen ist. 

Was sind die Inhalte der ESG-Berichte?

ESG-Berichte enthalten qualitative und quantitative Informationen zu drei Hauptthemen.    

Umwelt: Was tut eine Organisation, um die Umwelt zu schonen? Das Umweltthema umfasst: 

  • Wie ein Unternehmen den Klimawandel bekämpft
  • Was ein Unternehmen unternimmt, um den Kohlenstoffausstoß zu verringern
  • Wie das Unternehmen die biologische Vielfalt bewahrt, die Luft- und Wasserqualität verbessert, die Abholzung bekämpft oder seinen Abfall verantwortungsvoll entsorgt
  • Wie das Unternehmen verantwortungsvoll mit Ressourcen und seiner Lieferkette umgeht
  • Was das Unternehmen unternimmt, um seine Emissionen zu reduzieren

Soziales: Was tut eine Organisation, um Leben zu verbessern? Das soziale Element umfasst: 

  • Wie ein Unternehmen seine Mitarbeiter und seinen Arbeitsplatz fördert. 
  • Initiativen zur Förderung von Geschlechtergleichstellung, BIPOC und LGBTQ+ 
  • Das Engagement der Mitarbeiter eines Unternehmens
  • Datenschutz und Privatsphäre 
  • Engagement für die Gemeinschaft 
  • Menschenrechte und Arbeitsnormen 
     

Governance: Was tut eine Organisation, um Korruption einen Riegel vorzuschieben und sicherzustellen, dass ihre Investitionen auch in Zukunft nachhaltig sind? Der Begriff "Governance" umfasst:

  • die internen Kontrollen eines Unternehmens  
  • Richtlinien, Grundsätze und Verfahren für die Führung, die Zusammensetzung des Vorstands, die Vergütung von Führungskräften, die Struktur des Prüfungsausschusses, Aktionärsrechte, Bestechung, Lobbying, politische Beiträge und Whistleblower-Programme 
     

Was ist ein ESG-Score oder ein ESG-Rating?

Da ESG sowohl für Investoren als auch für Unternehmen Priorität erlangt hat, zielt das ESG-Scoring darauf ab, Organisationen nach ihren ESG-Aktivitäten zu bewerten. Ähnlich wie bei der Kreditwürdigkeit oder einem Anleiherating zeigt ein ESG-Score die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen ESG-Verpflichtungen nachzukommen sowie seine Leistung und sein Risiko an. 

Die von Drittanbietern vergebenen ESG-Scores werden auf Basis einer Reihe von ESG-Metriken berechnet. Jede dieser Agenturen verwendet eine andere Reihe von Kriterien, um Organisationen zu bewerten.  

Wer vergibt ESG-Scores? 

Es gibt eine Reihe von Drittanbietern, die ESG-Scores zuweisen. Namhafte Organisationen sind beispielsweise

Was sind ESG-Verordnungen?

Derzeit verfügt die EU über die weitreichendsten ESG-Vorschriften, die formuliert wurden, um die EU bei der Erhöhung nachhaltiger Investitionen zu unterstützen und den "Green Deal" der EU voranzutreiben, d. h. das Versprechen der EU, den Klimawandel und die Umweltzerstörung zu bekämpfen, durch:

  • Beseitigung der Nettoemissionen von Treibhausgasen bis 2050,
  • Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch und
  • keinen Menschen und keinen Ort abzuhängen. 

Um ihre Klimaziele zu erreichen, verfügt die EU derzeit über den umfassendsten Rahmen für ESG-Vorschriften. Die Strategie stützt sich auf zwei Säulen:  
 
1. Eine Neugestaltung der Anreize für Finanzmärkte und Unternehmensführung. Diese werden hauptsächlich durch die Sustainable Finance Agenda und die Sustainable Corporate Governance Initiative abgedeckt.

2. Transparenz der sowohl positiven als auch negativen ESG-Auswirkungen der Aktivitäten einer Organisation und ihrer Nachhaltigkeitsinitiativen. 

Die letztere bezieht sich direkt auf das ESG-Reporting, das nun regulatorische Formen annimmt, und zwar durch: 

Die EU-Taxonomie  
Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten. Die EU-Taxonomie soll Unternehmen, Investoren und politischen Entscheidungsträgern Standarddefinitionen dafür liefern, was als ökologisch nachhaltig gilt. Dies soll Unternehmen daran hindern, bei ihren Produkten oder Aktivitäten Greenwashing zu betreiben, Anreize für nachhaltige Aktivitäten schaffen und Investitionen in die nachhaltigsten Organisationen lenken.

Die Sustainable Finance Disclosure Regulation 
Diese als SFDR bekannte Verordnung definiert Offenlegungspflichten, die Organisationen erfüllen müssen, um zu zeigen, wie sie Nachhaltigkeitsrisiken bei ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigen und wie sie ihre Strategien, Ziele und ESG-Auswirkungen an Investoren kommunizieren. Diese Verordnung trat im März 2021 in Kraft.  

Im Rahmen der SFDR müssen Finanzmarktteilnehmer ("Financial Market Participants", FMPs) 18 obligatorische Indikatoren offenlegen und mindestens zwei weitere aus 46 optionalen Indikatoren auswählen. Diese Indikatoren basieren auf dem Principal Adverse Sustainability Impacts Statement (PAIS) und erfordern von den Unternehmen eine umfangreiche Datenanalyse.

Neue Richtlinie für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD) 
Die CSRD ist die überarbeitete Version der EU-Richtlinie zur CSR-Berichterstattung „Non-Financial Reporting Directive“ (NFRD), ein Standard, der die Offenlegungsregeln für nichtfinanzielle und Diversitätsinformationen durch große Unternehmen festlegt. Die CSRD ist die verschärfte, überarbeitete Version der NFRD und wird voraussichtlich 2022/2023 in Kraft treten.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels sehen die NFRD-Vorschriften vor, dass alle Großunternehmen und alle börsennotierten Unternehmen die folgenden Mindestangaben machen müssen:

  • Eine kurze Beschreibung des Geschäftsmodells des Unternehmens
  • Das Ergebnis von Richtlinien 
  • Die wichtigsten Risiken im Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit des Unternehmens, einschließlich seiner Geschäftsbeziehungen, Produkte oder Dienstleistungen, die sich in diesen Bereichen nachteilig auswirken können, und wie das Unternehmen mit diesen Risiken umgeht
  • Nicht-finanzielle Leistungsindikatoren  

Eine geänderte Fassung der NFR-Direktive wurde auch in das slowakische Gesetz über die Rechnungslegung Nr. 431/2002 Coll. umgesetzt.

Welche anderen nennenswerten ESG-Rahmenwerke gibt es?

Derzeit haben die Unternehmen bei der Offenlegung von ESG-Informationen freie Hand. In vielen Fällen steht es ihnen frei, ESG-Informationen so darzustellen, wie sie es für am sinnvollsten halten. Dennoch ist die Verwendung anerkannter Rahmenwerke zu empfehlen. Hier sind nur einige davon: 

Die Global Reporting Initiative (GRI) ist ein Rahmenwerk, das Unternehmen hilft, sowohl die positiven als auch die negativen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeiten auf die Umwelt, die Wirtschaft und die Gesellschaft offenzulegen. Der Schwerpunkt von GRI liegt auf der Unterstützung von Unternehmen bei der Kommunikation ihrer ESG-Effekte und der Art und Weise, wie sie diese Auswirkungen steuern. GRI ist mit 83 % aller Verweise auf ESG-Rahmenwerke das am häufigsten zitierte ESG-Rahmenwerk in sämtlichen Branchen.

Das Sustainability Accounting Standards Board (SASB) stellt eine Reihe von Standards dar, die Unternehmen bei der Erfassung und Weitergabe von ESG-Daten unterstützen, die sich auf die Geschäftsentscheidungen des Unternehmens auswirken und die finanziellen Effekte der Nachhaltigkeitsaktivitäten erklären.  Es ist erwähnenswert, dass die GRI und das SASB im Jahr 2020 ihre Kräfte gebündelt und seitdem einen Leitfaden veröffentlicht haben, wie Organisationen die beiden Standards gemeinsam nutzen können. Die GRI ist für ihren umfassenden Geltungsbereich bekannt, während das SASB den Unternehmen branchenspezifische Richtlinien mit einem finanziellen Blickwinkel bietet.

Die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) ist ein Rahmenwerk, das prinzipienbasierte Empfehlungen für den Umgang mit und das Reporting über Klimarisiken gibt. Der Schwerpunkt liegt auf der Offenlegung finanzieller Risiken im Zusammenhang mit dem Klima, um Banken, Aktionäre und Investoren dabei zu unterstützen, die ESG-Bemühungen eines Unternehmens zu überprüfen.   

Das Carbon Disclosure Project (CDP) ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die sich auf die Schaffung von Standards konzentriert, die Unternehmen zur Offenlegung von Informationen über Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch und Forstwirtschaft nutzen können. Diese Standards haben sowohl Unternehmen als auch städtische, staatliche und regionale Regierungsorganisationen dabei unterstützt, ihre Bemühungen um die Verringerung des Kohlenstoffausstoßes und den Umweltschutz offenzulegen. 

Die Streamlined Energy and Carbon Reporting (SECR) (optimierte Energie- und Kohlenstoffberichterstattung) Policy ist ein von der britischen Regierung geschaffenes Rahmenwerk, das Unternehmen bei der jährlichen Berichterstattung über ihre Kohlenstoffemissionen und ihren Energieverbrauch unterstützt. Ziel des Rahmenwerks ist es, die bestehenden Rahmen für die CO₂-Berichte zu straffen, um mehr Transparenz und Vergleichbarkeit zu schaffen und es den Unternehmen zu erleichtern, ihre CO₂-Emissionen zu überwachen und zu reduzieren.

Die Workforce Disclosure Initiative (WDI) ist ein Investorenkollektiv, welches gegründet wurde, um Unternehmen dabei zu helfen, ihre Aktivitäten gegenüber ihren Stakeholdern zu kommunizieren. Ihr Ziel ist es, die Transparenz und Rechenschaftspflicht in Bezug auf die Belegschaft zu verbessern, indem sie den Unternehmen einen Rahmen für die Offenlegung umfassender und vergleichbarer Daten zur Belegschaft bietet. 

Schlussbetrachtung 

Bereits 2017 veröffentlichte Morgan Stanley eine Studie, aus der hervorging, dass 86 % der Millennials an nachhaltigen Investitionen interessiert sind, d. h. an Investitionen in rentable Unternehmen, die einen positiven sozialen oder ökologischen Einfluss haben. Die Studie fand auch heraus, dass Millennials doppelt so häufig in Unternehmen investieren, die soziale oder ökologische Ziele verfolgen, wie die gesamte Investorenzahl, und dass 72 % der Generation Z glauben, dass verantwortungsbewusstes Investieren die Nachhaltigkeitsergebnisse verbessern kann.  

Fünf Jahre später kann man davon ausgehen, dass Nachhaltigkeit zu einer der wichtigsten Prioritäten in den Köpfen der Kapitalgeber geworden ist - eine Priorität, die eng mit der Vorstellung der Investoren von einem langfristig rentablen Unternehmen verknüpft ist.  

Da 80% der N100-Unternehmen weltweit inzwischen Angaben zur Nachhaltigkeit machen, ist ein globales Rahmenwerk für ESG eine Frage des Wann, nicht des Ob.  

In den kommenden Wochen werden wir das Thema ESG in einer Blogserie weiter vertiefen. Dabei werden wir alle Themen behandeln, von der Frage, worauf Investoren in ESG-Berichten achten, bis hin zu der Frage, wie Sie Ihre ESG-Reportcard verbessern können. 
 

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