IT-Management und IT-Planung – Was dabei Ihre Aufgaben als Schulleitung sind
Recht & Verwaltung18 August, 2022

IT-Management und IT-Planung – Was dabei Ihre Aufgaben als Schulleitung sind

Das Spektrum der Möglichkeiten zum unterrichtlichen Einsatz digitaler Medien hat sich in den letzten Jahren erheblich erweitert. Traditionelle und multimediale Präsentations-, Interaktions- und Simulationsmöglichkeiten lassen sich mit neuen Formen der Telekommunikation und Telekooperation verbinden. Computermedien sind heute selbstverständlicher Bestandteil der Schulorganisation und stehen in unterschiedlicher Form für das Lehren und Lernen zur Verfügung. Die Einsatzformen von Computermedien sind vielfältig: sie können grundsätzlich Schulbücher, Arbeitshefte und Arbeitsblätter sowie Folien ergänzen und teilweise auch ersetzen. Ihr Vorteil besteht insbesondere darin, dass sie zu verschiedenen Lernmodulen flexibel angewendet werden können. Durch die Digitalisierung von Lehr- und Lernmaterial und die Anbindung an das Internet über Cloud-Dienste wird ein schneller und ortsungebundener Zugriff möglich, wodurch mit der Zeit ein großer Vorrat an Unterrichtsmaterialien entsteht, so dass auch Materialien zugänglich gemacht werden können, die bislang nur für einen eingeschränkten Benutzerkreis verfügbar waren. Insbesondere die Bestrebungen der Schulbuchverlage aber auch anderer Lernmittelproduzenten sowie die Online-Mediendistribution in den meisten Bundesländern lassen eine veränderte Unterrichtsintegration überhaupt erst zu.

Moderieren Sie als Schulleiter/-in den Prozess der Ausgestaltung des IT-Managements

Der Schulleitung kommt beim IT-Management eine besondere Aufgabe zu. Sie kann Ausgangspunkt der Reformbestrebungen sein und muss als Moderator den Prozess begleiten. Vielfach gibt es bereits Einzelinitiativen engagierter Lehrkräfte, die nun abgesichert und in einen breiteren Rahmen integriert werden müssen. Alle Untersuchungen im In- und Ausland über erfolgreiche Innovationen im Schulbereich weisen darauf hin, dass ohne eine Beteiligung der Schulleitung und deren aktiven Engagement kein Reformvorhaben gelingen kann (siehe z.B. Fullan 2002; Wissinger, 2000). Schulleitung haben die Rolle von Promotoren, die einen Entwicklungsprozess maßgeblich beeinflussen können (Prasse, 2012).

Der Einsatz von digitalen Medien ist Ihre Management-Aufgabe

Bei der Medienintegration sind Managementfähigkeiten gefragt, die nicht neu sind. Einerseits sind sie aus der unternehmerischen Praxis und der Managementforschung seit vielen Jahren bekannt und erprobt, andererseits sind sie bereits frühzeitig in der Schulentwicklungsforschung diskutiert worden (z.B. Fullan, 2002; Höher, Rolff,1996; Wissinger, 1996). Der Einsatz digitaler Medien in der Schule kann nicht nebenher laufen, sondern muss systematisch in die bestehenden Management-Aufgaben einbezogen werden. Dazu gehört Budgetverwaltung und Controlling, Qualitätssicherung und -entwicklung, Curriculum- und Unterrichtsentwicklung sowie Personalentwicklung. IT-Management ist einerseits Querschnittsthema und umfasst zahlreiche Aspekte, die den einzelnen Managementbereichen zugeordnet werden können (in Abbildung 2 durch die kleinen grauen Punkte symbolisiert) und zugleich kommt in Zukunft aufgrund der wachsenden Komplexität des Technikeinsatzes das (strategische) IT-Management als weitere Leitungsaufgabe hinzu:

IT-Management und IT-Planung – Was dabei Ihre Aufgaben als Schulleitung sind

Abb. 1: Verbindung der verschiedenen Managementaufgaben der Schulleitung

Planen Sie im Schulbudget Kosten für Digitalisierung Ihrer Schule ein

Im Schulbudget müssen in Zukunft auch die Aufwendungen für die einmaligen und laufenden Kosten für Hardware, Software oder die Vernetzung der Schule eingeplant werden. Zudem werden durch die Nutzung persönlicher Endgeräte von Schüler/-innen bzw. Lehrkräfte („Bring-Your-Own-Device“) einerseits Beschaffungsprobleme scheinbar gelöst, andererseits ergeben sich hieraus erhebliche Folgekosten für die Schulen und den Schulträger. Insbesondere die Verfügbarkeit einer breitbandigen Netzinfrastruktur wird bei schülereigenen Geräten ein Schlüsselfaktor sein, da die Endgeräte zumeist über keinen eigenen Speicher verfügen und daher auf zentrale Dienste (in der Cloud) angewiesen sind. Zum zweiten sind Maßnahmen zur sozialen Abfederung zu treffen, die bislang bei allen Pilotprojekten deutlich hervorgehoben wurden (Welling; Stolpmann 2013). Im Zuge der Mediatisierung stehen Schulen vor neuen Herausforderungen im Umgang mit der lebensweltlichen geprägten Aneignung von digitalen Medien durch die Schüler/-innen, ihren Eltern aber auch durch die Lehrkräfte. Dahinter stecken bestimmte Erwartungen an die Umgangsweise sowie bestimmte Formen der Kommunikation, die von Seiten der Schule und Lehrkräfte eher negativ bewertet werden (bis hin zu Cybermobbing, vgl. die Studien zur Förderung von Medienkompetenz in der Grundschule und den weiterführenden Schulen, (Breiter et al. 2010; Breiter et al. 2013). Daher zählen zunehmend rechtlichen Fragen (vom Urheberrecht bis zum Persönlichkeits- und Datenschutzrecht) zum Aufgabenspektrum von Schulleitungen.

Wenn die Wartung nicht mehr durch Lehrkräfte selbst durchgeführt werden kann bzw. soll, sind die Serviceleistungen für den IT-Support (intern wie extern) im Rahmen von Service-Level-Agreements zu vereinbaren und zu überprüfen (Breiter, et al. 2006). Der Nutzen der digitalen Medien für Lehrende und Lernende wird in hohem Maße von den Fähigkeiten der Lehrkräfte abhängen, diese in den jeweiligen Fachunterricht zu integrieren und eine eigene Medienkompetenz zu entwickeln. Daher werden neue Anforderungen sowohl an die Curriculum- und Unterrichtsentwicklung (z.B. im Rahmen schulinterner Lehrpläne oder spezieller Mediencurricula) als auch an die regelmäßige Fortbildung der Lehrkräfte gestellt (Blömeke, 2000; Herzig, 2012). Die zunehmende Dezentralisierung im Schulwesen nahezu aller Bundesländer geht mit einer Verantwortung zur Rechenschaftslegung im Sinne einer Qualitätssicherung und -entwicklung einher. Daher ist bei den hohen Investitionen und den laufenden Kosten der Technik eine kontinuierliche interne und externe Evaluation erforderlich, die sich vor allem mit der erfolgten Unterrichtsintegration und dem Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler beschäftigen muss.

Warum sollte das IT-Management ein eigener Aufgabenbereich sein?

Aufgrund der Komplexität wird sich das IT-Management darüber hinaus als eigenständiger Aufgabenbereich etablieren müssen. Ziel ist es, die Bedingungen für einen integrierten Technikeinsatz in allen Unterrichtsbereichen jederzeit zu gewährleisten und adäquat zu unterstützen. Dazu zählen Aspekte wie dauerhafte Funktionsfähigkeit, Verfügbarkeit und auch nachhaltige Finanzierbarkeit. Dies muss in Abstimmung mit dem Medienentwicklungsplan des jeweiligen Schulträgers erfolgen.

Ein pädagogisch sinnvoller, in den Schul- und Unterrichtsalltag integrierter Einsatz digitaler Medien ist ein kontinuierlicher und zyklischer Prozess von der Planung über die Realisierung und Steuerung bis zur Evaluation (siehe Abbildung 2). Er basiert auf einem in der Schule akzeptierten Leitbild und beinhaltet Fragen zur Infrastruktur, zum laufenden Betrieb, zur Erstellung und Nutzung von Inhalten sowie zur Qualifizierung der Lehrkräfte. Aufgabe der Schulleitung ist es, diesen Planungsprozess zu initiieren und zu moderieren. Dafür muss ein kompetentes Planungsteam aufgebaut werden, in dem auch die Schulleitung aktiv vertreten ist.

IT-Management und IT-Planung – Was dabei Ihre Aufgaben als Schulleitung sind

Abb. 2 Schritte bei der Planung der Medienintegration

Planen Sie die Integration digitaler Medien langfristig

Die skizzierte Vision eines integrierten Einsatzes digitaler Medien in allen Fächern und Schulstufen lässt sich nur über einen längeren Zeitraum und in mehreren Stufen verwirklichen. Gerade wenn mit kleinen Schritten begonnen wird, muss eine Vorstellung entwickelt werden, welches Ziel wann wie erreicht werden soll, damit für jeden weiteren Schritt geklärt werden kann, ob er zum Ziel führt oder eher vom eingeschlagenen Weg abbringt. Das Medienkonzept legt auf Basis einer umfassenden Bestandsaufnahme fest, welche Ziele erreicht werden sollen und wer wann was tun muss, damit diese Ziele auch tatsächlich erreicht werden. Das Medienkonzept der Schule dient der Einwerbung von Mitteln wie auch der Koordination von Einzelschritten und der Kontrolle der eigenen Fortschritte einschließlich der Spezifikation der technisch-organisatorischen Anforderungen. Wenn sich die Dinge ändern oder die involvierten Personen dazulernen, muss ein Plan auch geändert werden. Die Erstellung eines Planes, die Planung, ist daher kein einmaliger Akt, sondern ein permanenter Prozess. Dieser Prozess muss ebenfalls organisiert werden. Aus den Erfahrungen der Schulen auch bei der Planung und Umsetzung von Schulprogrammen kann man lernen, dass die Umsetzung von Plänen umso besser gelingt, je mehr alle Betroffenen an der Planung beteiligt wurden und je besser es gelungen ist, einen Konsens über die Ziele und die als erforderlich angesehenen Maßnahmen zu erzielen. Zur Überprüfung des Erreichten und zur Qualitätsverbesserung im Rahmen des nächsten Planungszyklus sind schulintern geeignete Evaluationsinstrumente zu entwickeln, die wiederum mit Hilfe digitaler Medien umgesetzt werden können (z.B. E-Assessments, Online-Fragebögen, E-Portfolios).

Literatur

Blömeke, S. (2000). Medienpädagogische Kompetenz. Theoretische und empirische Fundierung eines zentralen Elements der Lehrerausbildung. München: KoPäd.
Breiter, A., & Welling, S. (2010). Integration digitaler Medien im Mehrebenensystem Schule In B. Eickelmann (Hrsg.), Bildung und Schule auf dem Weg in die Wissensgesellschaft (S. 13–25). Münster: Waxmann.
Breiter, A., Aufenanger, S., Averbeck, I., Welling, S., & Wedjelek, M. (2013). Medienintegration in Grundschulen. Berlin: Vista.
Breiter, A., Fischer, A., & Stolpmann, B. E. (2006). IT-Service-Management – neue Herausforderungen für kommunale Schulträger. In M. Wind & D. Kröger (Hrsg.), Handbuch IT in der Verwaltung (S. 254–274). Berlin: Springer.
Breiter, A., Welling, S., & Stolpmann, B. E. (2010). Medienkompetenz in Schulen. Berlin: Vista.
Fullan, M. G. (2002). The Change Leader. Educational Leadership, 59(8), 16–21.
Herzig, B. (2012). Medienbildung. Grundlagen und Anwendungen. Handbuch Medienpädagogik Bd. I. München: kopäd.
Höher, P., & Rolff, H.-G. (1996). Neue Herausforderungen an Schulleitungsrollen: Management – Führung – Moderation. In H.-G. Rolff, K.-O. Bauer, K. Klemm & H. Pfeiffer (Hrsg.), Jahrbuch der Schulentwicklung. Band 9 (S. 187–220). Weinheim/München: Juventa.
Prasse, D. (2012). Bedingungen innovativen Handelns an Schulen. Münster: Waxmann.
Welling, S., & Stolpmann, B. E. (2013). Mobile Computing in der Schule – Zentrale Herausforderungen am Beispiel eines Schulversuchs zur Einführung von Tablet-PCs. In R. Schulz-Zander, B. Eickelmann, H. Moser, H. Niesyto & P. Grell (Hrsg.), Jahrbuch Medienpädagogik 9 (S. 193–217). Wiesbaden: Springer VS.
Wissinger, J. (1996). Perspektiven schulischen Führungshandelns. Eine Untersuchung über das Selbstverständnis von SchulleiterInnen. Weinheim/München: Juventa.
Wissinger, J. (2000). Rolle und Aufgaben der Schulleitung bei der Qualitätssicherung und -entwicklung von Schulen. Zeitschrift für Pädagogik, 46(6), 851–865.

Bildnachweis: NicoElNino/stock.adobe.com
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