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Finanzen 08 Juni, 2022

ESG: Warum künftig kein Unternehmen daran vorbeikommt

Environmental Social Governance, kurz ESG, beschäftigt Unternehmen aller Branchen auf unterschiedlichsten Ebenen. Im Rahmen einer aktuellen Blog-Reihe beleuchten wir wichtige Aspekte rund um das ESG-Reporting. Den Auftakt macht Stephan Grunwald, Senior Partner bei der 4C Group. Er berichtet darüber, was ESG genau bedeutet und welche Relevanz die Thematik für Unternehmen hat, wie Firmen damit umgehen sollten und wie eine generelle Herangehensweise an ESG-Reporting-Projekte aussehen kann.

ESG: Weit mehr als „nur“ Umweltschutz 

Grundsätzlich vereint ESG drei auf den ersten Blick eigenständige und unterschiedliche Themen unter einer gemeinsamen Klammer: Ökologie (Environmental), soziales Handeln (Social) und entsprechende gesellschaftliche Regelungen (Governance). 
 
Durch diesen Dreiklang kann ein Framework für eine gute Unternehmensführung entstehen, wie sie beispielsweise im deutschen Nachhaltigkeitskodex formuliert wird.
Wichtig zu verstehen ist dabei: ESG ist deutlich breiter gefasst als etwa der Begriff „Umweltschutz“. Die Thematik sollte deshalb nicht rein auf die in der jüngeren Vergangenheit sehr präsenten Aspekte der Klimaneutralität beziehungsweise auf die Bekämpfung des Klimawandels reduziert werden.
Stattdessen lassen sich unter dem Oberbegriff ESG auch viele weitere drängende gesellschaftliche und ökologische Fragen bündeln. Dazu zählen beispielsweise:
 
  • Gleichstellung der Geschlechter
  • Faire Bildungschancen für alle
  • Zugang zu nachhaltiger, moderner und gleichzeitig bezahlbarer Energie 
  • Menschenwürdige Arbeitsbedingungen
  • Nachhaltig geprägtes Wirtschaftswachstum
  • Frieden und Gerechtigkeit

Nahezu jedes Unternehmen muss sich mit ESG auseinandersetzen

Kleinere Unternehmen und solche, die nicht kapitalmarktorientiert sind, wenden beim Thema ESG unter Umständen ein, dass sie nicht unmittelbar davon betroffen sind. Eine solche Denkweise greift allerdings deutlich zu kurz und kann künftig zu Problemen führen. Denn bereits heute zeigt sich, dass ESG beispielsweise für viele Banken eine zunehmend wichtige Rolle spielt – hier können ESG-Kriterien also durchaus ein entscheidender Faktor bei der Kreditvergabe werden. 

Berücksichtigt werden muss außerdem, dass sich viele Unternehmen auch freiwillig etwa Ziele zur Klimaneutralität gesetzt haben, zu deren Umsetzung sie in aller Regel aber auch ihre Partner und Lieferanten einbinden müssen. All dies führt dazu, dass sich perspektivisch praktisch jedes Unternehmen mit der Thematik ESG auseinandersetzen muss.

Vielfältiges Regelwerk

Schon heute sind verschiedene konkrete Regelungen in Kraft. Bereits seit 2014 etwa sind kapitalmarktorientierte Unternehmen dazu aufgefordert, eine Erklärung abzugeben, die Aspekte wie Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, die Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie die Achtung der Menschenrechte umfasst. 

Sehr vielfältige Richtlinien bestehen im Rahmen der EU-Taxonomie. Hier geht es zum einen um Umweltziele, also beispielsweise den Klimawandel, die Biodiversität oder Themen wie Wasserwirtschaft und Kreislaufwirtschaft. Je nach Branche gibt es hier zum Teil sehr spezifische Kenngrößen, die für die Einordnung - also das „Taxieren“ – der wirtschaftlichen Aktivitäten eines Unternehmens herangezogen werden. 

Gut zu wissen: Die EU-Taxonomie wird sich perspektivisch aber nicht allein auf Umweltweltthemen beschränken, die wie bereits erwähnt lediglich einen Teil des Themenkomplexes ESG ausmachen. Geplant ist beispielsweise auch eine Taxonomie rund um soziale Themen.

Die ersten Schritte beim ESG-Reporting

Unternehmen, die auf die neuen Herausforderungen reagieren und ein ESG- beziehungsweise CSR-Reporting aufbauen oder optimieren möchten, sollten in der Praxis eine Reihe von Aspekte beachten. Wichtig ist zunächst, dass das ESG-Reporting nicht einfach als eine weitere Statistik begriffen werden sollte. Es ist mittel- bis langfristig wenig sinnvoll, hier ein paralleles Reporting aufzubauen, das nebenher läuft, ohne wirklich in die Strukturen des Unternehmens eingebunden zu werden. Denn dann lässt sich vielleicht ein (auf den ersten Blick) nett anzusehender Bericht zusammenstellen, der allerdings nicht wirklich nützlich dabei ist, Ziele zu erreichen oder Verbesserungspotenziale zu nutzen. 

Die Herausforderung muss vielmehr darin bestehen, ESG/CSR nach dem Top-Down-Prinzip in der gesamten Organisation fest zu verankern – angefangen beim Vorstand und auch innerhalb der Strategie- und Zielmeetings, bei der Planung und Zielvereinbarung usw.

Ganz entscheidend sind hier auch Abteilungen wie HR und Controlling, etwa mit Blick auf Zielvereinbarungen und Vergütungsstrukturen oder die Prozesse in den Bereichen Planung, Investition und Reporting. Oft kann dies auch bedeuten, bisher gewohnte Richtlinien neu zu bewerten und zusätzliche Dimensionen zu berücksichtigen. Während etwa im Einkauf vielleicht bislang standardmäßig der kostengünstigste Lieferant zum Zuge kam, muss hier künftig mitberücksichtigt werden, wie der Lieferant in Sachen ESG abschneidet. Und der zwar auf den ersten Blick sehr günstige, aber nicht sonderlich umweltfreundlich agierende Zulieferer wird dann unter Umständen schnell aus dem Rennen sein.

Fazit: ESG-Reporting darf kein exotisches Nischenprojekt sein

Wer ESG-Reporting als isoliertes Nischenprojekt einiger Experten innerhalb der Organisation betrachtet, wird damit in der Regel scheitern. Es gilt vielmehr, alle Verantwortlichen ins Boot zu holen und regelmäßig einzubinden. Die entsprechenden Daten müssen also ganz ähnlich wie finanzielle Kennziffern bei Entscheidungen präsent sein und regelmäßig kommentiert werden.

Im kürzlich aufgezeichneten CPM FactCast: Was Sie über ESG wissen sollten erörterte eine Runde aus Experten von 4C Group, ifb und KPMG unter Moderation von Wolters Kluwer, was ESG genau für die Unternehmensführung bedeutet. 

Sie möchten mehr darüber erfahren, wie CCH Tagetik sie rund um das Thema ESG-Reporting unterstützen kann? Hier finden Sie weitere Informationen!
 
 

Speaker Stephan Grunwald
Senior Partner, 4C Group
Stephan Grundwald ist Senior Partner bei der 4C Group. Seine Schwerpunkte liegen im CFO Office insbesondere Controlling, Reporting & Planung, Kostenmanagement, New Role of Finance (Industrie 4.0) sowie der HR-Digitalisierung und dem Innovationsmanagement. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen in zahlreichen Branchen und in der Beratung eigentümergeführter Unternehmen.
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