Recht & Verwaltung10 Februar, 2026

Die Zukunft der juristischen Arbeit: Vom „Tool-Zoo“ zur intelligenten, agentischen Organisation

Wie KI und integrierte Recherche den juristischen Arbeitsalltag revolutionieren. 

Die juristische Arbeitswelt steht vor einem grundlegenden Wandel: Wo früher ein „Tool-Zoo“ aus unterschiedlichsten Einzelanwendungen wie Rechercheplattformen, Wissensdatenbanken, Dokumentenmanagement-Tools und E-Signatur-Lösungen vorherrschte, entwickelt sich heute eine ganzheitliche, intelligente Arbeitsumgebung. Der KI-basierte Legal Workspace präsentiert sich als universelles Werkzeug für nahezu den gesamten Arbeitsprozess von Juristinnen und Juristen, von der Prüfung (Review) von Dokumenten, über die Recherche nach Informationen bis zum Erstellen (Drafting) von Schriftsätzen, Mandantenkommunikationen und anderen Dokumenten.

Bislang war die Realität in Kanzleien und Rechtsabteilungen von ständigen Medienbrüchen und Kontextwechseln geprägt. Juristinnen und Juristen recherchierten in Tool A, entwarfen und prüften Dokumente in Tool B und organisierten ihr Wissen in Tool C. Informationen mussten manuell kopiert, übertragen und angepasst werden.  Diese ineffizienten Prozesse bergen Reibungsverluste und Qualitätsrisiken. 

Die nächste Generation des Legal Workspace beendet diese Fragmentierung. Alle Kernaufgaben, von der Recherche über die Erstellung und Prüfung juristischer Dokumente bis hin zum Wissensmanagement und zur Aufgabensteuerung, werden in einer integrierten Umgebung gebündelt. Dadurch wird nicht nur der Workflow optimiert, sondern auch die Qualität und Nachvollziehbarkeit juristischer Arbeit messbar gesteigert. 

Ein moderner KI-Workspace hebt die Dokumentenerstellung auf ein neues Niveau. Standardentwürfe, Zitierlogiken und die Verwaltung von Anlagen werden automatisch übernommen. Vorlagen, Bibliotheken und Playbooks sorgen für eine konsistente und strukturierte Arbeitsweise. Dokumente entstehen so schneller, sind konsistenter und lassen sich leichter überprüfen. Der Review-Prozess wird zu maßgeblichen Teilen automatisiert und benötigt den Nutzenden als Auftraggeber und Kontrollinstanz. Die KI validiert Standarddokumente, prüft Fristen, Normverweise und Zitationen automatisch und setzt individuelle firmeninterne Playbooks systematisch um. Ein technisch verankertes Vier-Augen-Prinzip sowie klare Grenzen des Systems (Guardrails) sorgen für zusätzliche Sicherheit und sofortige Reaktion bei Abweichungen. Routineprozesse, wie die Bearbeitung von NDAs oder Standardverträgen, werden vollständig automatisiert und orchestriert. Eskalationen erfolgen nur noch bei Abweichungen vom Playbook – so bleibt der Mensch für die wichtigen Entscheidungen verfügbar, während die KI den Rest übernimmt.  

Der eigentliche Durchbruch entsteht jedoch dort, wo Recherche und Workspace verschmelzen: Relevante Normen, Klauseln, Kommentare und interne Standards werden automatisch in den Arbeitsprozess integriert und sind jederzeit verfügbar. Mithilfe von Wissensgraphen und intelligenten Datenbanken entwickelt sich der Workspace zu einem zentralen Zugangspunkt für alle Fachinformationen. 
Während des Draftings schlägt das System passende Normen, Klauselvarianten und Präzedenzfälle vor. Im Review erkennt die KI Abweichungen von Standards und stellt die richtigen Quellen und Wissensbausteine sofort bereit. Auch in der Freigabephase sind alle relevanten Informationen kontextualisiert und auf einen Blick einsehbar. 

Die Voraussetzung für diese nahtlose Integration ist eine harmonisierte Wissensbasis. Einheitliche Mandantenstandards, zentrale Klauselsammlungen und standardisierte Arbeitsweisen werden im Workspace direkt bereitgestellt. Der mühselige Wechsel zwischen Tools sowie das manuelle Kopieren und Einfügen von Inhalten gehören damit der Vergangenheit an. 

Juristische Arbeit im Jahr 2026 bedeutet weniger Reibungsverluste, mehr Effizienz und höchste Qualität – durch die Verschmelzung von Recherche und KI-gestütztem Workspace zu einer intelligenten, agentischen Organisation. 

Philipp Stock leitet als Team Lead den Bereich Wolters Kluwer Online Legal und verantwortet zudem als Product Owner die Weiterentwicklung von Wolters Kluwer Online.
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