Recht & Verwaltung27 Januar, 2020

Wie Innovationsteams und ihre Manager von einem Professional Agile Leadership Training profitieren

„Agil“ ist heute ein starkes Wort und speziell „Scrum“ wird häufig synonym für agiles Arbeiten und ein agiles Mindset angesehen. Für Innovationsteams können hingegen Methoden wie Design Thinking und Lean UX viel relevantere Ansätze für Agilität sein – besonders in der Discovery- und Konzeptionsphase. Was also bringt ein Professional Agile Leadership Essentials (PAL-E) Training von Scrum.org für Führungskräfte von Innovationsteams?

Ich habe es ausprobiert und hatte die große Freude, an einem PAL-E Training von Alexander Hardt teilzunehmen. Er war Agile Coach bei Wolters Kluwer und ein angesehenes Mitglied der weltweiten Scrum-Community. Schnell habe ich erkannt, dass es ziemlich viele Dinge gibt, die man in einem Innovationsteam sehr gut nutzen kann – auch wenn ein paar Fragen offengeblieben sind.

Als erstes ist hier natürlich die berühmte Grundlage von Scrum zu nennen, die starken Einfluss auf jedes agile Team hat: Das agile Manifest. Es bildet eine hervorragende Basis für agiles Arbeiten, und somit auch für Innovationsteams. Im PAL-E Training lernt man, wie diese Prinzipien anzuwenden sind, um die Transformation des Teams zu beschleunigen. Sie sind aber auch für reifere Teams geeignet.

Die Reife des Teams

Innovationsteams sind meistens Vorreiter in ihren Organisationen, müssen gleichzeitig aber mit einer Organisation interagieren, die nicht so agil arbeitet, wie das Innovationsteam selbst. Das kann zu komplexen Modellen der Kooperation führen. Eine solche übergreifende Zusammenarbeit setzt voraus, dass die agile Arbeitsweise von Managern, die in eher traditionellem Umfeld verortet werden, verstanden wird. Dieses Verständnis setzt zugleich die Basis für situative Führung, mit der die Führungskraft des Innovationsteams mit dem eigenen Team und den Kollegen aus anderen Abteilungen interagieren muss. Wir beziehen uns hier auf die sogenannte Reife von Rollen, welches ein wichtiger Aspekt bei den Übungen im PAL-E Training ist. In mehreren Sessions lernt man, den aktuellen Entwicklungsstand der Kollegen bezogen auf agiles Arbeiten, d.h. die „Reife eines Teams“ zu erkennen. Darauf aufbauend sollen die Führungskräfte lernen, das richtige Verhalten in verschiedenen Situationen anzuwenden.

Vielleicht wäre es zu viel gesagt, dass jedes Innovationsteam per se bereits über ein sehr hohes Level an agiler Reife verfügt. Es ist aber ein wichtiger Aspekt, als Manager die Reife des eigenen Teams bestimmen zu können. Noch wichtiger ist jedoch, seine eigene Reife als Führungskraft zu hinterfragen und zu bestimmen, an welchen Stellen man sich verbessern muss, um entweder das Niveau des Teams zu erreichen oder gemeinsam die agile Reife des Teams zu verbessern. In Bezug auf Selbstreflexion und situative Führung ist das Training voll und ganz zu empfehlen und ist ein absoluter Gewinn für jede agile Führungskraft.

Den Erfolg messen

Die präzise und kontinuierliche Erfolgsmessung ist noch viel zu oft unentdecktes Land für Innovationsteams. Scrum-Teams hingegen nutzen diverse Methoden, um den Mehrwert ihrer Arbeit zu messen. Das PAL-E Training hilft sehr dabei, einige dieser Methoden in den Fokus zu rücken, wenngleich diese eher auf Softwareentwicklung anwendbar sind und somit weniger auf die spezifischen Anforderungen von Innovationsteams.

Mit Blick auf die Entdeckungsphase zu Beginn eines Innovationsprojektes und die entsprechenden Experimente, die eher in Richtung Design gehen als in Richtung Software, können Innovationsteams mehr von Design Thinking und Lean UX lernen als von Scrum. Trotzdem hilft das PAL-E Training, über Messmethoden bei Innovation nachzudenken, die über die Softwareentwicklung hinausgehen. Und natürlich hört Innovation nicht nach der Entdeckungsphase auf – folglich profitieren auch Innovationsteams davon, die Erfolgsmessung bei der Softwareentwicklung zu verstehen. Einen empirischen Ansatz zu nutzen ist für Innovationsteams genauso wichtig wie für die Softwareentwickler.

Ein empirischer Ansatz unterstützt außerdem die Führungskraft dabei, sein Risiko zu minimieren, ohne die Aktivitäten seines Teams engmaschig zu (micro-) managen. Will man wirklich sein Team dazu in die Lage versetzen, voranzugehen und großartige Ergebnisse abzuliefern, muss man als Führungskraft loslassen und viele Aufgaben und Verantwortlichkeiten delegieren. Gleichzeitig steigt dabei enorm die Verantwortung des Managers, mit seinem Team eine gemeinsame Vision und große Ziele zu teilen, und so die Menschen zu inspirieren. I

nnovationsmanager nehmen oft eine doppelte Rolle ein: Sie sollen nicht nur ihr eigenes Team inspirieren, sondern die ganze Organisation. Nimmt man diese Rolle ernst, steckt man eine ganze Menge Zeit und Mühen in „Inspiration“. Um dem gerecht zu werden, hilft es sehr, die Kontrolle der Arbeit des eigenen Teams loszulassen und Vertrauen in das Team und seine Ergebnisse aufzubauen.

Was fehlt

Was einem Innovationsmanager am meisten in einem PAL-E Training fehlt, sind bestimmte Eigenschaften, die man sich selbst in seiner Rolle zuschreiben würde – z.B. Empathie und Neugierde – und wie man seinem Team diese Werte vermitteln kann. Im Design Thinking findet man mehrere dieser Attribute und in Lean UX viele Hinweise auf den passenden empirischen Ansatz. Und trotzdem profitieren Innovationsteams und ihre Manager enorm von einem PAL-E Training: Man sollte es als integralen Bestandteil davon sehen, sein eigenes agiles Mindset weiterzuentwickeln und die eigene Toolbox zu erweitern.

Weitere Informationen zum Professional Agile Leadership Training gibt es auf scrum.org. Für mehr Input zum Thema Design Thinking empfehle ich die Websites der Stanford d.school (English) und des Hasso-Plattner-Instituts (German). Außerdem kann ich jedem nur empfehlen, ein Projekt mit IDEO zu machen. Für Lean UX ist das Buch von Jeff Gothelf und Josh Seiden (Amazon-Link) ein sinnvoller Startpunkt.

Jan Klostermann

Jan Klostermann

Johannes Klostermann ist seit April 2017 Head of Innovation and User Experience Wolters Kluwer Deutschland. In dieser Funktion ist er für die Entwicklung innovativer Produktkonzepte für die digitale Transformation von Rechtsanwälten, Unternehmensjuristen und der öffentlichen Verwaltung verantwortlich. Sein besonderes Interesse gilt der Anwendung von Human Centered Design in der Schnittstelle zwischen Recht und IT.