Artikel 2 Header
Recht & Verwaltung17 Mai, 2021

Rolle und Aufgaben der Schulleitung

Clemens Kaesler | M.A., Studiendirektor & Schulleiter

Handlungsfelder der Schulleitung bei der Digitalisierung der Schule

In dem Artikel wird der Wandlungsprozess der Organisation Schule nach dem Phasenmodell von Giacquinta strukturiert, woraus sich die Handlungsfelder von Schulleitungen für den Digitalisierungsprozess ableiten lassen.
Clemens Kaesler

Rolle der Schulleitung

Schulen sind geprägt durch flache Hierarchien, mit unter einem hohen Autonomiegrad agierenden Lehrkräften und ohne geregelte Kommunikationsstrukturen. Gerade für solche Organisationen ist es wichtig, Entwicklungswege zu suchen, die die Digitalisierungsprozesse ermöglichen und verstetigen. Schulleitungen »sind für die Initiierung, Gestaltung und Begleitung von Wandlungsprojekten in hohem Maße zuständig« (Arnold/Faber (2005), S. 123) und haben somit für die Digitalisierung der Schule eine Schlüsselposition. Dabei wäre es nur wenig erfolgsversprechend, wenn die Schulleitung dem Kollegium die Digitalisierung per Dienstanweisung anordnet. Um die Digitalisierung zu etablieren, ist es vielmehr notwendig, »eine Vielzahl anschlussfähiger Teilaktivitäten so zu gestalten, dass sie in einem Gesamtverband zu einem ganzheitlichen Konzept führen« (Dilger/Kremer (2003), S. 84). Gerade bei der Digitalisierung kann es bereits einen »Wildwuchs« an eingesetzten Instrumenten (Lernplattformen, Clouds, Messenger-Systeme) geben. Diese Ansammlung unkoordinierter, wenn auch zum Teil hochprofessioneller Teilaktivitäten gilt es zunächst zu
sammeln. Hier kommt der Schulleitung eine erste, wichtige Rolle zu, in dem sie in der Organisationsentwicklung die Rahmenvorgaben macht. Grundsätzlich kann an dieser Stelle bereits gesagt werden, dass die Schulleitung alle Rahmenvorgaben – sowohl technisch als auch didaktisch – selbst beherrschen muss. Eine Schulleitung, die eine Lernplattform als für die Schule verbindlich erklärt, muss auch selbst diese Lernplattform im Bereich Schulmanagement einsetzen.

Phasenmodell

Die Digitalisierung der Schule soll hier nach dem Phasenmodell von Ciacquinta strukturiert werden, in die die Instrumente des Change-Managements einfließen. Es stellt die Veränderung sozialer Systeme als eine Abfolge bestimmter Phasen dar (Giacquinta (1974), in: vgl. Rolff/Tillmann (2009), S. 38). Die Einteilung des Veränderungsprozesses hat einen systematisierenden Wert, indem es die drei Phasen des organisationalen Wandels (Initiation, Implementation und Inkorporation) unterscheidet. In ihnen finden unterschiedliche Wandlungsprozesse statt, die diverse Aktionen von Schulleitungen hervorrufen.

Initiation durch Zieldiskussion und Zieldefinition

In dem Artikel wird der Wandlungsprozess der Organisation Schule nach dem Phasenmodell von Ausgangspunkt für die systematische Digitalisierung von schulischen Prozessen ist die Zieldiskussion und -definition. Als Anlass kann z.B. die Erarbeitung einer Vision von der eigenen digitalisierten Schule genommen werden, woraus sich die Ziele ableiten lassen. Die Zielformulierung sollte sich dabei nicht nur darauf beziehen, wozu Digitalisierung dient, sondern wie damit die übergeordneten Ziele der Schule effektiver und effizienter verfolgt werden können. Für die Digitalisierung wesentlich ist, dass in der Zieldefinition Leitlinien formuliert werden. Es gibt eine unüberschaubare Menge von Software- und Hardwareprodukten, die den Schulen angepriesen werden. Die Zieldefinition sollte sich nicht daran festmachen, welches Produkt erworben werden soll. Vielmehr geht es darum, die Leitlinien im didaktischen und pädagogischen Sinne zu entwerfen.

So z.B.:

  • Jeder Schüler/jede Schülerin soll sowohl in der Schule als auch von zu Hause auf die Lernmaterialien zugreifen können.
  • Es besteht direkte digitale Kommunikationswege zwischen Lehrern – Schüler – und Eltern.
  • Jeder Schüler hat die Möglichkeit mit einem digitalen Endgerät zu arbeiten.
Doch wie lassen sich diese Leitlinien vereinbaren. Ein Weg ist, dass eine Arbeitsgruppe ein Konzept erarbeitet, was dann auf einer Gesamtkonferenz beschlossen wird. Auch hier sollten Schulleitungen den digitalen Weg wählen. Die Gesamtkonferenz kann in ein geschlossenes Forum in der Lernplattform verlegt werden, dort werden vorgeschlagene Leitlinien asynchron und disloziert in einem bestimmten Zeitraum von allen Beteiligten (auch Schüler- und Elternvertretung!) gesichtet und diskutiert. Dieses Format hat den Effekt, dass digitale Instrumente direkt zum Einsatz kommen und so sich die Schulgemeinschaft auf den Weg macht und auch direkt digital arbeitet und die Effizienz digitaler Prozesse (Arbeitsteilung, Zeitersparnis, Kosten etc.) spürbar erlebt.

Implementation

Die Inititationsphase hat das Ziel, das es zu einem Aufbruch in der Organisation kommt und etablierte Strukturen hinterfragt werden. Während in der Initiationsphase der Schwerpunkt auf affektiver Überzeugungsarbeit liegt, wird in der Implementations-phase der tatsächliche Umbau von Strukturen notwendig. Das Hauptaugenmerk der Implementierung eines Digitalisierungskonzeptes besteht darin, einen systematischen und allgemein verbindlichen Umgang in der Organisation Schule anzustreben. Die Schulleitung hat damit für die Implementierung die Aufgabe, die Kooperationskultur zu forcieren. Ausgehend von den Annahmen zur systemischen Schulentwicklung spielt dabei das organisationale Ziel der Schule als eine »Community of Learners« eine große Rolle und beschreibt die Schule als eine Gemeinschaft, in der alle Beteiligten an der Weiterentwicklung und Reform des Lernens beteiligt sind. Diese Kooperationskultur muss dann stark mit digitalen Elementen gestaltet sein, so sollte es fast schon selbstverständlich werden, dass kleinere Besprechungen online über entsprechende Tools stattfinden. Auch die gemeinsame Dateiablage, der Dateiaustausch, aber auch die Erarbeitung von Konzepten sollte als Standard mit online-gestützten Kollaborationssoftware von statten gehen, so dass die ganze Arbeitskultur sich in diese Richtung dreht.

Implementation durch neue Aufgabenprofile

Ein weiterer Baustein ist die Schaffung neuer Aufgabenprofile für bestimmte Lehrkräfte oder Funktionsträger in der Schule, die entsprechend dem Bedarf der Digitalisierung beschrieben werden. Dadurch wird das Gelingen der Umsetzung zur Hauptverantwortung bestimmter Personen, womit die Gefahr gemindert wird, dass Ideen und Innovationen »Opfer« des Alltags werden.

Inkorporation durch Evaluation

Ausgehend von den Maßnahmen der Implementation ist eine systematische Rückkopplung des Kollegiums und dessen einzelne Team in eng getakteten Zeitinstituten äußerst sinnvoll. Z.B. sollte in regelmäßigen Schülerevaluationen erhoben werden, wie beschlossene Maßnahmen der Digitalisierung wirken und umgesetzt werden. An den Erkenntnissen der Evaluation kann sich dann das Fortbildungskonzept anschließen.

Inkorporation durch Anreize

Schulen sind zwar sehr limitiert, ein finanzielles Anreizsystem zu etablieren, jedoch bietet auch das System Schule Möglichkeiten, damit die Investitionen in die Digitalisierungsprozesse sich »auszahlen«. Unter diesem Blickwinkel sollten die Maßnahmen im Bereich der gesamten Schule, aber auch im Bereich des Unterrichts sowie auf personeller Ebene (Kollegium, individuelle Lehrkräfte) regelmäßig überprüft werden.

Ergeben sich im System durch die Digitalisierung Effizienzvorteile, so sollten diese von der Schulleitung bewusst herausgearbeitet und thematisiert werden. Anfänglich Hürden, die durch Lehrkräfte durch erhöhtes Arbeitspensum bewältigt werden, können zudem mit Entlastungsstunden belohnt werden. Es sollte deutlich werden, dass das System langfristig auch in der Arbeitsbelastung profitiert und die Effizienzvorteile überwiegen.

Auf der Ebene des Gesamtsystems Schule werden Anreize gesetzt, in dem nachhaltig sowohl in Infrastruktur als auch in Fortbildungen investiert wird. Mit Entlastungsstunden können Lehrkräfte die hier bei schulinternen Fortbildungen für neue Softwareanwendungen (z.B. digitales Klassenbuch) oder gar beim Set-Up der Netzwerke oder Server bedacht werden. Auch wenn Entlastungsstunden in der Regel nie den hinzugekommenen Zeitaufwand kompensieren, stellen sie eine greifbare Wertschätzung dar.

Auf der Ebene der Lehrkräfte bietet eine gute Infrastruktur und eine breite Nutzung ein hohes Potenzial für neue Kooperations- und Partizipationsmöglichkeiten. Für die individuelle Lehrkraft ergeben sich Chancen der Arbeitsentlastung sowie eine bessere Vernetzung mit anderen Kollegen und eine verstärkte Teilhabe an der gesamten Schulentwicklung.

Fazit

Digitalisierung ist ein Schulentwicklungsprozess, der eine enge Begleitung durch die Schulleitung bedarf. Die Stufen der Initiation, Implementation und Inkorporation werden dabei nicht einmalig durchlaufen und dann ist es »geschafft«, sondern allein schon durch den schnellen technologischen Wandel und die lose gekoppelten Strukturen einer Schule ist es als Kreislauf zu sehen, der immer wieder durchlaufen wird.
KaeslerClemens640x960

M.A., Studiendirektor & Schulleiter

 

Dipl. Hdl. Clemens Kaesler

Erfahren Sie mehr

Dieser Artikel ist Teil unserer Zeitschrift SchulVerwaltung spezial. Wenn Sie weitere spannende Artikel lesen möchten, abonnieren Sie jetzt die Zeitschrift für Schulgestaltung und Schulentwicklung. In jährlich fünf Ausgaben werden aktuelle bildungspolitische Diskussionen aufgegriffen, schulrechtliche Aspekte analysiert und kommentiert sowie schulpädagogische Impulse gesetzt.
Jetzt abonnieren
Unsere Fachzeitschrift

SchulVerwaltung spezial

Erhalten Sie praxisnah aufbereitete Grundlagen und Umsetzungshilfen zur Schul-gestaltung & Schulentwicklung.

Newsletter: 

Lesen Sie weitere Artikel aus unserem Newsletter SchulVerwaltung