Recht & Verwaltung25 März, 2026

Souverän handeln in schwierigen Situationen mit Lehrkräften

Rechtssichere Führungsimpulse für Schulleitungen
Gerda Sandner

Schulleitungen stehen im schulischen Alltag regelmäßig vor der Aufgabe, mit Lehrkräften in schwierigen oder konflikthaften Situationen umzugehen. Dabei handelt es sich selten um spektakuläre Einzelfälle, sondern meist um wiederkehrende Muster: mangelnde Kooperation, fortwährende Konflikte im Kollegium, wiederholtes Zuspätkommen, auffällige Fehlzeiten oder eskalierende Gesprächssituationen. Solche Konstellationen belasten nicht nur die direkt beteiligten Personen, sondern wirken sich auf das gesamte System Schule aus – auf das Arbeitsklima, die Unterrichtsqualität und die Außenwirkung gegenüber Eltern und Schulaufsicht.

Viele Schulleitungen empfinden diese Situationen als besonders anspruchsvoll, weil pädagogische Verantwortung, Führungsrolle und rechtliche Vorgaben gleichzeitig zu berücksichtigen sind. Hinzu kommt die Sorge, mit einem unbedachten Schritt rechtliche Fehler zu begehen oder bestehende Konflikte weiter zu verschärfen. Dieser Beitrag bietet eine vertiefte, praxisnahe Orientierung für genau diese Führungssituationen. Er zeigt auf, wie Schulleitungen strukturiert, rechtssicher und zugleich professionell-zugewandt handeln können. Ziel ist es, Handlungssicherheit zu stärken, Eskalationen zu vermeiden und schwierige Situationen aktiv und konstruktiv zu steuern.

Ausgangslage und typische Problemkonstellationen

Schwierige Situationen mit Lehrkräften entstehen häufig schleichend. Ein Verhalten, das zunächst als Ausnahme wahrgenommen wird – etwa Unpünktlichkeit, fehlende Mitarbeit in Konferenzen oder eine ablehnende Haltung gegenüber schulischen Vorhaben – verfestigt sich, ohne dass frühzeitig reagiert wird. Gleichzeitig geraten Schulleitungen zunehmend unter Druck: Beschwerden aus dem Kollegium nehmen zu, Eltern äußern Unzufriedenheit, der Schulbetrieb wird spürbar belastet.

In dieser Phase herrscht oft Unsicherheit darüber, wann ein klärendes Gespräch notwendig ist, welche Gesprächsform angemessen ist und welche rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten sind. Viele Schulleitungen zögern aus Rücksichtnahme, aus Zeitmangel oder aus Sorge vor Eskalationen. Wird jedoch zu lange abgewartet, verhärten sich Konflikte, Erwartungen werden unausgesprochen verfestigt und der Handlungsspielraum wird enger. Professionelles Führungshandeln setzt daher deutlich früher an und versteht schwierige Situationen als Teil des schulischen Alltags, nicht als Ausnahme.

Zentrale Hebel für souveränes und rechtssicheres Führungshandeln

Ein zentraler Hebel für Schulleitungen liegt in der frühzeitigen Strukturierung von Führungssituationen. Auffälligkeiten sollten nicht gesammelt oder verdrängt werden, sondern zeitnah angesprochen werden. Ein gut vorbereitetes Gespräch signalisiert Klarheit und Verantwortungsübernahme. Dabei geht es nicht um Vorwürfe oder Schuldzuweisungen, sondern um Orientierung: Was wurde beobachtet? Welche Auswirkungen hat dieses Verhalten auf den Schulbetrieb? Und welche Erwartungen bestehen künftig? Lehrkräfte erleben Führung in solchen Situationen häufig als entlastend, wenn sie transparent und nachvollziehbar erfolgt.

Ein weiterer wesentlicher Hebel ist die konsequente Trennung von Person und Verhalten. Gerade in konfliktbelasteten Situationen besteht die Gefahr, Bewertungen oder Zuschreibungen vorzunehmen. Professionelles Führungshandeln fokussiert stattdessen auf konkret beobachtbares Verhalten und dessen Folgen. Dies ermöglicht es, sachlich zu bleiben und die Gesprächsebene konstruktiv zu gestalten. Anschaulich wird dies etwa dann, wenn nicht die „Haltung“ einer Lehrkraft problematisiert wird, sondern konkret benannt wird, wie sich fehlende Kooperation auf Konferenzen, Projekte oder das Kollegium auswirkt.

Besondere Bedeutung kommt der Dokumentation zu. Sie wird im Schulalltag häufig als bürokratische Zusatzbelastung empfunden, ist jedoch ein zentrales Führungsinstrument. Kurze, sachliche Gesprächsnotizen schaffen Verbindlichkeit, ermöglichen Anschlussgespräche und sichern die Nachvollziehbarkeit des eigenen Handelns. Dokumentation dient nicht primär der Sanktion, sondern der Strukturierung von Prozessen. Sie hilft Schulleitungen, den Überblick zu behalten und Entwicklungen realistisch einzuschätzen.

Ein weiterer Hebel liegt im bewussten Umgang mit rechtlichen Rahmenbedingungen. Schulleitungen müssen keine Juristen sein, sollten jedoch grundlegende Prüfpunkte kennen: Welche Zuständigkeiten bestehen? Wann handelt es sich um ein informelles Gespräch, wann um ein Dienstgespräch? Welche Rolle spielen Schulaufsicht oder Personalvertretung? Diese Orientierung schafft Sicherheit und verhindert sowohl vorschnelles Handeln als auch lähmendes Zögern.

Nicht zuletzt ist Prävention ein entscheidender Faktor. Führung zeigt sich nicht nur im Eingreifen bei Problemen, sondern vor allem im Gestalten tragfähiger Rahmenbedingungen für Zusammenarbeit und Verantwortung.

Ergänzende Orientierung

Als unterstützende Ergänzung kann eine kurze Orientierungshilfe dienen:

  • Auffälligkeiten zeitnah ansprechen,
  • Gespräche vorbereiten,
  • sachlich dokumentieren,
  • Erwartungen klar formulieren,
  • Vereinbarungen treffen,
  • Fristen setzen und
  • Nachgespräche planen.

Diese Punkte ersetzen kein professionelles Gespräch, können aber helfen, das eigene Vorgehen zu strukturieren.

Typische Fehler und Stolpersteine in der Praxis

Ein häufiger Fehler besteht darin, schwierige Situationen auszusitzen. Was aus Rücksichtnahme oder Zeitmangel nachvollziehbar erscheint, verschärft die Lage häufig. Ebenso problematisch ist es, Konflikte ausschließlich informell oder „zwischen Tür und Angel“ zu klären. Solche Gespräche bleiben oft folgenlos und erzeugen Unsicherheit bei allen Beteiligten.

Ein weiterer Stolperstein ist uneinheitliches Führungshandeln. Wenn vergleichbare Situationen unterschiedlich behandelt werden, entsteht der Eindruck von Willkür oder Ungerechtigkeit. Auch eine übermäßige Emotionalisierung erschwert Lösungen. Schulleitungen sind gefordert, ihre Rolle bewusst einzunehmen und nicht in Rechtfertigungen oder Grundsatzdiskussionen abzurutschen.

Problematisch ist zudem eine fehlende oder unzureichende Dokumentation. Ohne sachliche Notizen verlieren Gespräche ihre Verbindlichkeit, und Entwicklungen werden im Nachhinein verzerrt wahrgenommen. Ebenso kritisch ist es, rechtliche Aspekte vollständig auszublenden oder umgekehrt vorschnell mit formalen Maßnahmen zu reagieren. Professionelles Führungshandeln bewegt sich zwischen diesen Extremen.

Weitere typische Stolpersteine sind mangelnde Nachverfolgung von Vereinbarungen, unklare Kommunikation von Erwartungen sowie die Vermischung von Führungs- und Kollegialrollen. Führung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess, der Kontinuität und Klarheit erfordert.

Praxistipps für den Schulleitungsalltag - zur schnellen Orientierung

  • Auffälligkeiten zeitnah ansprechen, nicht sammeln.
  • Gespräche kurz vorbereiten: Ziel, Beobachtung, Erwartung.
  • Bei konkreten Beobachtungen bleiben, nicht bewerten.
  • Gesprächsergebnisse stichpunktartig dokumentieren.
  • Erwartungen klar formulieren und verbindlich machen.
  • Konkrete nächste Schritte und Termine vereinbaren.
  • Führungsrolle bewusst wahrnehmen, Kollegialität nicht verwechseln.
  • Rechtliche Orientierung als Sicherheit nutzen.
  • Vereinbarungen konsequent nachverfolgen.
  • Schwierige Situationen als Teil professioneller Führung verstehen.

Weiterführende Vertiefung

Vertiefende Fallbeispiele, rechtliche Einordnungen und praxiserprobte Prüfschemata finden sich im Werk „Umgang mit Lehrkräften in schwierigen Situationen – Ratgeber mit Fällen und Lösungen zur rechtssicheren Personalführung“ von Dr. Wolfgang Bott u.a. Das Werk bietet Schulleitungen eine fundierte Grundlage, um auch komplexe Führungssituationen sicher und reflektiert zu bewältigen.

Umgang mit Lehrkräften in schwierigen Situationen


Ratgeber mit Fällen und Lösungen zur rechtssicheren Personalführung

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Gerda Sandner

Programmleiterin Schulmanagement & Schulrecht bei Wolters Kluwer

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