Steuern und Buchhaltung11 August, 2026

Entgelttransparenz: Entscheidend ist nicht die Datenbasis, sondern die Auswertbarkeit

Wichtigste Erkenntnisse

  • Auswertbarkeit statt Datenerfassung – Viele benötigte Lohn- und Gehaltsdaten liegen bereits vor, die Herausforderung ist ihre Analyse.
  • EU-Richtlinie mit Berichtspflichten – Unternehmen ab 250 Beschäftigten müssen Entgeltberichte ab Juni 2027 jährlich vorlegen.
  • Manuelle Analysen bergen Risiken – Wiederholte Excel-Auswertungen erhöhen Aufwand, Fehleranfälligkeit und Nachvollziehbarkeit.
  • Strukturiertes Reporting unterstützt Transparenz – Dashboards erleichtern Vergleiche, Dokumentation und wiederkehrende Analysen.
  • ADDISON DataCube erweitert Lohndatenanalysen – Das Modul bindet Lohn-, Stamm- und Bewegungsdaten für Auswertungen ein.

Die entscheidende Frage: Wie schnell werden aus Daten belastbare Antworten?

Viele Unternehmen beschäftigen sich im Zusammenhang mit Entgelttransparenz zunächst mit der Frage, welche Daten benötigt werden. Das ist nachvollziehbar - greift aber oft zu kurz.
Denn in vielen Fällen sind zentrale Informationen bereits vorhanden. Sie liegen in der Lohn- und Gehaltsabrechnung, in Mitarbeiterstammdaten oder in abrechnungsrelevanten Bewegungsdaten. Die eigentliche Herausforderung beginnt deshalb nicht bei der Datenerfassung, sondern bei der Auswertung.
Genau hier entscheidet sich, ob Unternehmen auf Fragen zur Entgelttransparenz vorbereitet sind - oder ob jede neue Fragestellung erneut manuelle Arbeit auslöst.

Warum die Auswertung von Lohndaten zunehmend an Bedeutung gewinnt

Hintergrund ist die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (Richtlinie (EU) 2023/970), die die Mitgliedstaaten bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen mussten. Sie zielt darauf, gleiche Bezahlung für gleiche oder gleichwertige Arbeit zu stärken, und erweitert die Auskunfts-, Transparenz- und Berichtspflichten deutlich über das bereits seit 2017 geltende deutsche Entgelttransparenzgesetz hinaus.

Die Berichtspflichten zum geschlechtsspezifischen Entgeltgefälle greifen dabei gestaffelt nach Unternehmensgröße:

Berichtspflichten gestaffelt nach Unternehmensgröße (EU-Richtlinie 2023/970)

  • Ab 250 Beschäftigte: erstmals bis 7. Juni 2027, danach jährlich.
  • 150 bis 249 Beschäftigte: erstmals bis 7. Juni 2027, danach alle drei Jahre.
  • 100 bis 149 Beschäftigte: erstmals bis 7. Juni 2031, danach alle drei Jahre.
  • Weniger als 100 Beschäftigte: keine verpflichtende Berichtspflicht nach der Richtlinie.

Für Unternehmen wird damit vor allem die Fähigkeit entscheidend, konkrete Fragen schnell und nachvollziehbar zu beantworten. Typische Fragen sind zum Beispiel:

Welche Mitarbeitergruppen weisen auffällige Entgeltunterschiede auf?
Wie ist die Personalstruktur hinsichtlich Tätigkeit, Ausbildung oder Betriebszugehörigkeit aufgebaut?
Wie unterscheiden sich abgerechnete Entgelte zwischen verschiedenen Gruppen?

 Auf den ersten Blick wirken diese Fragen überschaubar. In der Praxis sind sie jedoch häufig komplex: Daten müssen gefiltert, gruppiert, verglichen und nachvollziehbar dokumentiert werden.

Wo manuelle Auswertungen an ihre Grenzen stoßen

Viele Unternehmen lösen Auswertungen heute noch manuell. Daten werden exportiert, Listen zusammengeführt, Filter gesetzt und Ergebnisse individuell berechnet. Für einzelne Fragestellungen kann das funktionieren. Sobald Auswertungen jedoch regelmäßig benötigt werden, mehrere Gruppen verglichen oder größere Datenmengen analysiert werden müssen, entstehen typische Risiken:

  • hoher manueller Aufwand
  • unterschiedliche Datenstände
  • manuelle Übertragungs- oder Formelfehler
  • fehlende Standardisierung
  • begrenzte Nachvollziehbarkeit
  • schwierige Wiederholbarkeit späterer Auswertungen

Das Problem ist nicht Excel selbst. Das Problem entsteht, wenn Excel dauerhaft eine strukturierte Auswertungsebene ersetzen muss. Gerade bei sensiblen Themen wie Entgeltstrukturen, Mindestlohnprüfungen oder vorbereitenden Analysen für Prüfungen ist Nachvollziehbarkeit entscheidend.

Nicht die Existenz der Daten entscheidet über Entgelttransparenz, sondern ihre Auswertbarkeit. Wer wiederkehrende Auswertungen standardisiert, spart nicht nur Zeit - er gewinnt Nachvollziehbarkeit.
Jana Kirchner, Senior Technology Implementation Consultant • TAA | Germany 

Besonders relevant für mittelständische Unternehmen mit wachsender Belegschaft

Mit steigender Mitarbeiterzahl wächst auch die Komplexität von Lohn- und Gehaltsstrukturen. Für kleinere Unternehmen lassen sich viele Fragen unter Umständen noch manuell beantworten. Bei mittelständischen Unternehmen mit einer größeren Belegschaft steigt jedoch der Bedarf an strukturierten Auswertungen deutlich. Besonders relevant ist das Thema für Unternehmen, die:

  • ADDISON Lohn & Gehalt einsetzen,
  • eine größere Anzahl an Mitarbeitenden verwalten,
  • regelmäßig Personal- und Vergütungsdaten analysieren,
  • Compliance- oder Qualitätsmanagement-Auswertungen benötigen,
  • oder vorhandene Lohndaten gezielter für Entscheidungen nutzen möchten.

Drei Herausforderungen aus der Praxis

1. Daten sind vorhanden, aber nicht direkt vergleichbar
Lohn- und Gehaltsdaten liegen häufig in unterschiedlichen Strukturen oder Tabellen vor. Für eine belastbare Analyse müssen Informationen erst zusammengeführt werden. Das kostet Zeit und erhöht das Risiko, dass Auswertungen unterschiedlich interpretiert werden.
2. Auswertungen entstehen nur für Einzelfälle
Oft werden Analysen erst dann erstellt, wenn eine konkrete Frage entsteht. Dadurch entstehen punktuelle Auswertungen, aber keine wiederverwendbare Struktur. Die Folge: Ähnliche Fragestellungen müssen immer wieder neu aufgebaut werden.
3. Ergebnisse sind schwer nachvollziehbar
Gerade bei manuellen Auswertungen ist später nicht immer klar, welche Datenbasis, Filter oder Berechnungslogik verwendet wurde. Für interne Abstimmungen, Prüfungen oder wiederkehrende Analysen kann das problematisch sein.
 

Praxisbeispiel: Wenn aus vorhandenen Daten keine belastbaren Erkenntnisse entstehen

Ein mittelständisches Unternehmen möchte prüfen, ob bestimmte Mitarbeitergruppen auffällige Unterschiede in der Vergütungsstruktur zeigen. Die relevanten Informationen liegen grundsätzlich vor:

  • Mitarbeiterstammdaten
  • Tätigkeitsinformationen
  • Abrechnungsdaten
  • Bewegungsdaten
  • Zeiträume
  • Gruppen- oder Bereichsinformationen

Trotzdem entsteht Aufwand. Die Daten müssen exportiert, aufbereitet, miteinander verknüpft und anschließend überprüft werden. Danach müssen die Ergebnisse so dokumentiert werden, dass sie auch später nachvollziehbar bleiben. Die eigentliche Frage lautet daher nicht: "Haben wir diese Daten?" Sondern: "Wie schnell können wir daraus belastbare Antworten ableiten?"

 

Wie Unternehmen vorhandene Lohndaten besser nutzen können

Das Erweiterungsmodul "Lohn & Gehalt" für den ADDISON DataCube setzt genau an dieser Stelle an. Der ADDISON DataCube ermöglicht es, Daten aus ADDISON mithilfe von Microsoft Power BI® in Dashboards und Analysen nutzbar zu machen. Das Erweiterungsmodul erweitert diese Möglichkeiten um zusätzliche Datentabellen aus der ADDISON Lohn- und Gehaltsabrechnung. Dazu gehören unter anderem:

  • Stammdaten
  • Bewegungsdaten
  • Statusdaten
  • Monatsabschlussdaten
  • Lohnbewegungen
  • Lohnkonten
  • Lohnstatus
  • Krankenkassen
  • Lohnarten

Damit können vorhandene Lohn- und Gehaltsdaten strukturierter analysiert werden, ohne jede Auswertung manuell neu aufzubauen.

Welche Auswertungen dadurch unterstützt werden

Das Erweiterungsmodul "Lohn & Gehalt" für den ADDISON DataCube unterstützt erweiterte Auswertungsbedarfe rund um Lohn- und Gehaltsdaten. Dazu zählen laut Produktblatt unter anderem Aussagen zur Entgelttransparenz, Prüfungen effektiver Stundenentgelte gegen aktuelle Mindestlohngrenzen und Hilfsauswertungen zur Vorbereitung der Schwerbehindertenabgabe. Darüber hinaus werden Auswertungen zu Compliance, Qualitätsmanagement und Betriebsprüfungsvorbereitung unterstützt. Für Unternehmen entsteht dadurch eine bessere Grundlage, um wiederkehrende Fragen schneller, konsistenter und nachvollziehbarer zu beantworten.

Mehr Zeit für Analysen statt für Datenaufbereitung

Der größte Nutzen liegt nicht allein darin, Daten sichtbar zu machen. Entscheidend ist, dass Fachbereiche weniger Zeit mit manueller Datenaufbereitung verbringen und mehr Zeit für die Bewertung der Ergebnisse gewinnen. Das verändert die Arbeit mit Lohndaten:

  • weniger manuelle Exporte
  • weniger individuelle Excel-Logik
  • bessere Vergleichbarkeit
  • schnellere Orientierung
  • nachvollziehbarere Ergebnisse
  • bessere Grundlage für Entscheidungen

So werden vorhandene Abrechnungsdaten zu einer belastbaren Informationsbasis.

Vier Fragen, die Unternehmen sich jetzt stellen sollten

Welche Lohn- und Gehaltsdaten liegen bereits strukturiert vor?
Welche Auswertungen werden regelmäßig benötigt?
Welche Fragen lassen sich heute nur mit manuellem Aufwand beantworten?
Welche Berichte oder Analysen könnten standardisiert werden?

Diese Fragen helfen, Entgelttransparenz nicht nur als einzelne Pflichtanforderung zu betrachten, sondern als Teil einer modernen Daten- und Auswertungsstrategie im Personalbereich.

Fazit: Entgelttransparenz beginnt mit auswertbaren Daten

Entgelttransparenz ist nicht nur eine Frage vorhandener Daten. Sie ist vor allem eine Frage der Auswertbarkeit. Unternehmen, die ihre Lohn- und Gehaltsdaten strukturiert analysieren können, schaffen eine bessere Grundlage für Transparenz, Compliance, Qualitätsmanagement und interne Entscheidungen.

Mit dem Erweiterungsmodul "Lohn & Gehalt" für den ADDISON DataCube lassen sich vorhandene ADDISON-Daten in Microsoft Power BI® auswerten und für weiterführende Analysen nutzen. Damit wird aus vorhandenen Daten ein klarerer Blick auf Vergütungsstrukturen - und aus manueller Aufbereitung eine fundierte Entscheidungsgrundlage.

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